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Westwall

 

| Der Westwall heute |

In die noch immer andauernde, von der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgte Diskussion um die zumindest teilweise Erhaltung von Westwall-Anlagen unter denkmalschützerischen Gesichtspunkten, hat sich in der Zwischenzeit auch das saarländische Landesdenkmalamt eingeschaltet.

Nachdem mittlerweile mehr als 60 Jahre seit Kriegsende vergangen sind, setzt sich endlich die Erkenntnis durch, dass hier die einmalige Chance besteht, noch recht junge und zum Teil sehr gut erhaltene Wehranlagen in ihrem Bestand zu sichern und als steinerne Zeitzeugen für künftige Generationen zu bewahren. Wenn man bedenkt, mit welchem Aufwand heute Ruinen mittelalterlicher Burgen restauriert werden müssen, weil sie jahrhundertelang dem Verfall preisgegeben wurden, sollte man sich in der Tat Gedanken darüber machen, ob man nicht wenigstens einen Teil der Westwall-Anlagen mit weit weniger Aufwand erhalten sollte. Mittelalterliche Burgen und Westwall-Anlagen sind historisch gesehen durchaus vergleichbar: beide dienten militärischen Zwecken und waren bei denen, die ihre »Blütezeit« erlebt haben, gleichermaßen mit unangenehmen Erfahrungen verbunden. Einziger Unterschied ist, dass die Narben des Zweiten Weltkrieges und die Erfahrungen aus dieser Zeit offensichtlich noch zu frisch sind, um damit objektiv umzugehen.

Trotzdem stehen wir heute in der Pflicht, auch diese Zeit für nachfolgende Generationen, die bedingt durch den zeitlichen Abstand unbefangener mit dieser Thematik umgehen werden, zu dokumentieren und erfahrbar zu machen.

Selbstverständlich kann die Bedeutung der Westwall-Anlagen nicht völlig losgelöst von der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges betrachtet werden. Aber mit dem unnötigen und wahllosen Abbruch von Westwall-Anlagen, der mehr aus Gründen einer falsch verstandenen Form von Vergangenheitsbewältigung, als aus einer tatsächlichen Notwendigkeit heraus erfolgen würde, würde man das sprichwörtliche »Kind mit dem Bad ausschütten«. In Nordrhein-Westfalen z. B. ist dies bereits geschehen: Hier trifft der Interessierte nur mit viel Glück auf (gesprengte) Westwall-Anlagen! Davon abgesehen steht der Aufwand für den Abbruch eines Bunkers in keinem Verhältnis zum Nutzen, wenn dieser Abbruch nicht aus bau- oder straßenplanerischer Sicht zwingend erforderlich ist.

Gerade im Saarland, wo von ehemals etwa 4.000 Westwall-Anlagen immerhin noch rund 400 unzerstört erhalten sind, ließen sich ausgewählte Anlagen auch als touristische Sehenswürdigkeiten nutzen unsere französischen Nachbarn haben es uns mit den zu besichtigenden Anlagen der Maginotlinie bereits erfolgreich vorgemacht. Die für den heimischen Tourismus Verantwortlichen wären überrascht, wenn sie wüssten, wie viele Besucher aus anderen Bundesländern und sogar aus dem benachbarten Ausland jährlich ins Saarland kommen, nur um sich Westwall-Anlagen anzusehen und sie zu fotografieren, weil sie diese Anlagen in ihren eigenen Bundesländern nicht (mehr) vorfinden. Aber auch im Saarland werden seit einiger Zeit Weichen in diese Richtung gestellt, wie man an der mit öffentlichen Mitteln geförderten Restaurierung des einzigen noch im Westwall erhaltenen B-Werks bei Besseringen sieht. Andere Anlagen in Düppenweiler, Nalbach, Schwalbach, Saarbrücken, Sinzig oder Lautzkirchen, die heute zu besichtigen sind, wurden im Laufe der letzten Jahre mühevoll in privater Initiative restauriert. Auch die Stadt Dillingen hat sich in der Zwischenzeit kooperativ gezeigt und die ehemalige Anlage mit Sechsschartenturm Bunker WH 20 auf dem Spielplatz in der Annastraße in Pachten zum Restaurieren freigegeben. Durch den privaten Einsatz von Johannes Dräger und seinem Verein »Bunker 20« konnte die Anlage in den vergangenen Jahren so weit originalgetreu wieder hergestellt werden, dass sie mittlerweile unter Denkmalschutz steht und als Westwallmuseum seit 2008 sonntags Besucher auch von weit her anzieht.

 

| Zur Geschichte des Westwalls in unserem Raum |

Bedingt durch die geographische Lage der Stadt haben alle Phasen des Westwallbaus in Dillingen und Umgebung ihre Spuren hinterlassen. Um die Vielfalt der verschiedenen hier zu findenden Bunkertypen zu verstehen, muss man einen Blick in die Geschichte des Westwallbaus werfen.

Nachdem Deutschland im März 1936 das bisher entmilitarisierte Rheinland besetzt hatte, wurden auch im Gebiet westlich des Rheins bis zum Jahresende im Rahmen des so genannten »Grenzwacht-Bauprogramms« 50 Bunker als Grenzbefestigungen gebaut. Da die Anlagen möglichst dicht an der Grenze errichtet werden sollten, aber von der gegnerischen Seite aus nicht einsehbar sein durften, wurde nicht nur die Stadt Aachen, sondern auch das Saartal von südlich Beckingen bis Saarbrücken zunächst ausgespart. Die geplante Befestigungslinie führte deshalb ab Beckingen in einem weiten Bogen über den Hoxberg, die Hilgenbacher Höhe und die Göttelborner Höhe bis nach Saarbrücken. Trotzdem sollte das Saartal aber zumindest durch eine der Hauptstellung vorgelagerte Sperrlinie gesichert werden, die einen gegnerischen Vormarsch wenigstens verzögern sollte. Bis zum Jahresende standen zwischen Merzig und Völklingen bereits 22 Anlagen, sieben davon im Bereich Dillingen (Bunker WH 2, WH 38, WH 39, WH 40, WH 41, WH 772 und WH 843).

Im Jahr 1937 kamen im Rahmen des »Pionier-Bauprogramms« weitere 35 Anlagen zur Verstärkung der Sperrlinie zwischen Beckingen und Saarbrücken hinzu.

Ende Mai 1938 warf Hitler die bisherigen Planungen für den Ausbau des Westwalles komplett um und befahl den Bau von 1.800 Schartenständen und 10.000 Unterständen bis zum 1. Oktober 1938. Der Grund hierfür war die so genannte »Sudeten-Krise« während der die Gefahr bestand, dass England und Frankreich gegen Deutschland in den Konflikt eingreifen würden. Im Rahmen dieses Ausbaus wurden vom Reichsluftfahrtministerium auch Anweisungen für den Bau einer Luftschutzzone herausgegeben, die später als »Luftverteidigungszone West« bezeichnet wurde. Deckname für das gesamte Ausbauprogramm war »Limes«. Am 9. Oktober verkündete Hitler die Einbeziehung der Städte Aachen und Saarbrücken in die Westbefestigungen (»Aachen-Saar-Bauprogramm«): An der Saar sollte demnach der bisher ausgesparte Bereich zwischen Beckingen und Saarbrücken mit entsprechenden Befestigungsanlagen versehen werden (»Saarstellung«). Im Rahmen dieses neuen Bauprogramms wurden bis zum Jahresende auch in Dillingen weitere Bunkeranlagen gebaut (z. B. Bunker WH 37).

Im März 1939 lief das »Limes-Programm« endgültig aus. Nur bereits im Bau begriffene Anlagen sollten noch nach den Vorgaben dieses Programms fertiggestellt werden, alle anderen Anlagen wurden nur noch in Ausbaustärke »B neu« errichtet. Beim Bau vorrangig zu behandeln waren die »Stellung Aachen« und die »Saarstellung«. Ebenfalls forciert wurde der Bau von Anlagen mit Sechsschartentürmen im gesamten Bereich des Westwalls.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 1940 wurde der Westwall erweitert um eine Riegelstellung zum Schutz des Saar-Mosel-Dreiecks (»Orscholz-Riegel«) und um die »Spichern-Stellung« zwischen Saarbrücken und Kleinrosseln. Unmittelbar nach dem Waffenstillstand mit Frankreich kamen dann vom OKH Richtlinien zum Abschluß der Bauarbeiten am Westwall, da dieser nun seine Aufgabe erfüllt hatte. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden die beweglichen Teile der Inneneinrichtung der Anlagen demontiert und eingelagert, Feldbefestigungen und Hindernisse abgebaut dies galt auch für die Anlagen der »Luftverteidigungszone West«. Die demontierten Teile wurden später vielfach erneut verbaut, und zwar in den Befestigungsanlagen des Atlantikwalls.

Während des Krieges wurden sämtliche Anlagen überwacht und durften nicht betreten werden. Dies galt vor allem für die B-Werke, deren Einrichtung nicht demontiert worden war. Bedingt durch die Zunahme alliierter Luftangriffe wurden die Westwall-Anlagen dann ab 1942 zu Luftschutzzwecken für die Zivilbevölkerung freigegeben.

Die Lage änderte sich schlagartig nach der alliierten Invasion in der Normandie am 6. Juni 1944. Am 24. August befahl Hitler den Ausbau der Weststellungen, eine Verteidigungslinie, die von der Schelde zum Albert-Kanal, den Westwall und die Maginotlinie einschließend bis zur deutsch-schweizerischen Grenze laufen sollte. Diesem Befehl folgte am 31. August ein weiterer, in dem Hitler die Herstellung der Verteidigungsbereitschaft des Westwalls befahl. Zu den dazu erforderlichen Schanzarbeiten wurden ab dem 4. September sämtliche Männer zwischen 16 und 60 Jahren eingezogen, aber auch Frauen, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene kamen hierbei zum Einsatz. Der Arbeitseinsatz umfasste den Bau von Panzersperren und Drahthindernissen, das Ausheben von Gräben und Feuerstellungen für MG und Geschütze usw.

Trotzdem der Westwall Ende 1944, also gerade zu dem Zeitpunkt, zu dem er seine tatsächliche Bewährungsprobe zu bestehen hatte, weit hinter den in ihn gesetzten Erwartungen zurückgeblieben war, brachte er den alliierten Vormarsch zu einem jähen Halt. Sechs Monate sollte es dauern, von September 1944 bis März 1945, bis es den Alliierten endlich gelang, den Westwall zu durchbrechen oder vielmehr, ihn zu umgehen. Wochen- und monatelange Kämpfe um die Anlagen, die auf beiden Seiten einen hohen Blutzoll forderten, waren die Folge. Besonders hervorzuheben sind dabei die schweren Kämpfe von September 1944 bis Februar 1945 um die Anlagen des »Orscholz-Riegels«, den ehemalige deutsche Soldaten, die dort eingesetzt waren, als »die blutigste Ecke des Krieges« bezeichnet hatten und die Kämpfe um die »Zitadelle von Saarlautern« von Dezember 1944 bis März 1945.

 

| Die Westwall-Anlagen in und um Dillingen |

Laut Stellungskarte der Wehrmacht befanden sich im Raum Dillingen, in einem Areal von 5,5 km Breite und einer Tiefe von 7,5 km insgesamt 165 Westwall-Anlagen! Selbstverständlich handelte es sich dabei nicht nur um Kampfanlagen im engeren Sinne, sondern dazu zählen auch Anlagen, die nur als Unterstand oder zur Beobachtung und Feuerleitung gedacht waren. Im Einzelnen setzte sich die Gesamtzahl wie folgt zusammen:

• 90 MG-Schartenstände und -Kasematten mit angehängtem Kampfraum in Ausbaustärke B1 und stärker,

• 11 MG-Schartenstände mit angehängtem Kampfraum in Ausbaustärke C oder schwächer,

• 7 Kampstände bzw. Bunker ohne Kampfraum,

• 21 Schartenstände mit Turm (mit 3 bzw. 6 Scharten),

• 3 Pak-Stände für eine 4,7 cm-Festungspak tschechischer Herkunft und tschechisches Zwillings-MG,

• 2 Batteriestellungen mit betonierten Kanonenständen und den 4 zugehörigen Unterständen für die Bedienmannschaft,

• 1 einzelner betonierter Kanonenstand,

• 11 Beobachtungsstellen mit betoniertem Unterstand,

• 19 Artillerie-Beobachtungsstände.

Hinzu kommen noch einige Kilometer Lauf- und Panzergräben, Straßensperren und erst kurz vor oder während der Kämpfe Ende 1944 angelegte Geschütz- bzw. Werferstellungen und Kampfstände.

Von den genannten Westwall-Anlagen sind heute noch viele erhalten, die größtenteils auch (zumindest von außen) besichtigt werden können. Nachfolgend werden einige dieser Anlagen vorgestellt.

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Bunker WH 11

Bunker WH 11

Bunker WH 37: Der Gruppenunterstand mit angehängtem Kampfraum aus dem »Limes-Programm« ist ein Regelbau 10 in Ausbaustärke B alt.

Bunker WH 83

Bunker WH 847

Bunker WH 83: Über drei Grundstücke verteilt steht diese MG- und Pak-Kasematte aus dem »Aachen-Saar-Programm« (Regelbau 139d) in Ausbau-stärke B neu.

Bunker WH 847: Bei dieser Anlage handelt es sich um einen MG-Schartenstand mit Kasematte als Sonderkonstruktion (Regelbau 108b) in Ausbau-stärke B neu aus dem »Aachen-Saar-Programm«. An der Südseite der Anlage ist der vorgesehene Hohlganganschluß gut erkennbar.

Bunker WH 847

Bunker WH 847

Bunker WH 847: Die angeerdete, nach Westen ausgerichtete Scharte der Anlage (links) – die Beschriftungen im Inneren der Anlage sind sehr gut erhalten.

Bunker WH b120

Bunker WH b120

Bunker WH b120: Dieser Artilleriebeobachter ist einer von zwei im gesamten Westwall noch erhaltenen Regelbauten 120b – die Anlage wurde im Rahmen des »Aachen-Saar-Programms« in Ausbaustärke B neu gebaut.

Bunker WH 8

Bunker WH 10

Bunker WH 8 am Sportplatz in Pachten. Die Anlage wurde im Rahmen des »Aachen-Saar-Programms« errichtet. Die Treffer im Sechsschartenturm (20P7) sind zum größten Teil nicht auf unmittelbare Kampfhandlungen zurückzuführen, sondern stammen von amerikanischen Beschussversuchen noch während der Kämpfe in Pachten im Dezember 1944 – diese Versuche wurden durchgeführt, um die Wirkung unterschiedlicher Munitionsarten gegen die Bunker zu testen.

Bunker WH 10: Dieser MG-Schartenstand stammt noch aus dem »Pionier-Programm« – es handelt sich um einen Regelbau 4 in Ausbaustärke D.

Bunker WH 11

Bunker WH 11

Bunker WH 11: Bei dieser – heute in den »Römerpark« integrierten – Anlage handelt es sich um eine Doppel-MG-Kasematte (Regelbau 107d) aus dem »Aachen-Saar-Programm« in Ausbaustärke B neu. Die nach Süden gerichtete Schartenplatte wurde mehrfach von panzerbrechender Munition glatt durchschlagen.

Bunker WH 22

Bunker WH 22

Bunker WH 22: Bei dieser Anlage mit dem taktischen Namen »Hartmannsweilerkopf« handelt es sich um einen MG-Schartenstand mit Kasematte (Regelbau 106b) des »Aachen-Saar-Programms« in Ausbaustärke B neu. Rechts: Reste des Namenszuges »Hartmannsweilerkopf«.

Bunker WH 22

Bunker WH 33

Bunker WH 22: Die von einer Granate durchschlagene Schartenplatte der Eingangs-verteidigung.

Bunker WH 33: Diese Anlage trägt den taktischen Namen »Donon« und ist ein Regelbau 105d aus dem »Aachen-Saar-Programm« in Ausbaustärke B neu – Dank des überdachten Eingangsbereichs ist der Namenszug noch sehr gut erhalten.

Bunker WH 33

Bunker WH 33

Bunker WH 33: Die nach Westen weisende Flügelmauer war offensichtlich starkem amerikanischen Feuer ausgesetzt. Im Verlauf der Kämpfe wurde die nördlich (d. h. links) von dieser Flügelmauer liegende Schartenplatte von einer panzerbrechenden Sprenggranate durchschlagen, die an der Rückwand des Kampfraumes detoniert ist und dabei den Kampfraum stark in Mitleidenschaft gezogen hat.

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